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Makroaufnahme eines Wassertropfens auf einer Knospe, verschwommener Hintergrund in Grüntönen.
Achtsamkeit & Selbstkontakt

Achtsamkeit

Wie wir uns selbst wieder spüren – und warum das unser Leben verändert

Wir alle kennen diese Momente, in denen wir funktionieren, aber nicht wirklich da sind. Wir erledigen Dinge, reagieren auf Situationen, fühlen uns innerlich getrieben oder erschöpft – und merken erst später, dass wir uns selbst unterwegs verloren haben.

Achtsamkeit ist ein Weg, wieder bei sich anzukommen. Nicht als Technik, die man "richtig" anwenden muss, sondern als Haltung, die uns in den Körper, in die Gegenwart und in ein stimmigeres Leben führt.

Achtsamkeit bedeutet, wahrzunehmen, was jetzt gerade geschieht – ohne es sofort zu bewerten oder darauf zu reagieren. Es ist ein freundlicher Blick nach innen. Ein Innehalten, das ermöglicht, uns selbst wieder zu spüren.

In diesem Artikel erfahren Sie: Warum Achtsamkeit so tief wirkt, wie sie mit Erinnerung, Sinn und innerer Freiheit zusammenhängt – und wie sie sich in den Alltag integrieren lässt.

Die leise Stimmungsschicht unseres Erlebens

Im Alltag erleben wir selten große Gefühle wie Wut, Angst oder Euphorie. Viel häufiger bewegen wir uns in einer feinen Stimmungsschicht: belebt, bedrückt, angespannt, offen, müde, neugierig, gedämpft. Diese subtilen inneren Bewegungen sind wie die Hintergrundmusik unseres Tages. Sie beeinflussen, wie wir denken, wie wir reagieren und wie wir anderen begegnen.
 

Wenn wir uns auf Menschen einstimmen, geschieht das über genau diese feinen Schwingungen. Wir spüren, ob jemand offen ist oder verschlossen, ob Nähe möglich ist oder nicht. Diese primären Emotionen sind die Grundlage von Verbundenheit.
 

Achtsamkeit hilft uns, diese leisen inneren Wellen wahrzunehmen. Und genau dort beginnt Veränderung: nicht in den großen Momenten, sondern im feinen Spüren.

Der Geist als lebendiger Prozess

Oft denken wir, der Geist sei etwas, das im Kopf stattfindet. Doch unser inneres Erleben ist viel umfassender. Es entsteht im Zusammenspiel verschiedener Erfahrungen von Körper, Gefühlen, Gedanken und Beziehung. Der Geist ist ein Prozess – ein Fluss aus Energie und Information, der sich ständig verändert.

Ein Körpergefühl wie ein Ziehen im Bauch, ein schneller Herzschlag, ein warmes Gefühl in der Brust – all das sind Formen von Energie. Erst wenn wir sie wahrnehmen und deuten, entsteht Information: "Ich bin angespannt", "Ich freue mich", "Ich brauche eine Pause".

Achtsamkeit bedeutet, diesen Fluss immer wieder bewusst wahrzunehmen und nicht ausnahmslos automatisch in ihm mitzuschwimmen. Wenn wir spüren, was in uns passiert, können wir anders handeln. Wir müssen nicht mehr reflexhaft reagieren. Wir gewinnen Wahlfreiheit.

Warum Achtsamkeit uns verändert

Unser Gehirn ist formbar – ein Leben lang. Alles, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, verändert uns neurobiologisch. Neue Erfahrungen, bewusste Wahrnehmung und emotionale Beteiligung schaffen neue Verbindungen im Gehirn. Das nennt man Neuroplastizität – und Achtsamkeit entfaltet genau diese Fähigkeit.

Wenn wir regelmäßig innehalten, wahrnehmen, benennen und freundlich mit uns umgehen, verändert sich etwas in uns. Wir werden klarer, ruhiger, verbundener. Wir spüren uns selbst wieder. Und wir können anders mit Herausforderungen umgehen – unsere Resilienz wächst.

Das Dreibein der inneren Klarheit

Damit Achtsamkeit wirken kann, braucht es drei innere Qualitäten. Sie bilden zusammen eine stabile Grundlage für echte Selbstwahrnehmung:

1. Offenheit

Die Bereitschaft, die Dinge so zu sehen, wie sie sind – ohne Erwartungen, dass es anders sein sollte. Offenheit schafft inneren Raum und ist die Voraussetzung für jede Form von Veränderung.

2. Selbstwahrnehmung

Das bewusste Spüren dessen, was in uns auftaucht: Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen. Wenn wir unsere inneren Muster erkennen, verlieren sie ihre unbewusste Macht über uns.

3. Beobachterposition

Die Fähigkeit, sich nicht vollständig in das Erleben hineinfallen oder hineinziehen zu lassen. Gedanken und Gefühle sind flüchtige Zustände – nicht die Wahrheit über uns. Aus der Beobachterposition heraus entsteht echter Handlungsspielraum.

Diese drei Qualitäten stabilisieren die innere Beobachterposition und machen uns frei von automatischen Reaktionsmustern – ein zentrales Ziel in der Körperpsychotherapie.

Warum Körperbewusstsein so entscheidend ist

Viele Menschen versuchen, ihre Gefühle "im Kopf" zu verstehen. Doch Gefühle entstehen im Körper. Wenn wir den Körper nicht spüren, verlieren wir den Zugang zu uns selbst – und zu unseren echten Bedürfnissen.

Achtsamkeit bringt uns zurück in den Körper: in die Atmung, in die Spannung oder Entspannung, in das Ziehen, Kribbeln, Weiten oder Enge, in die feinen Signale, die uns sagen, was wir wirklich brauchen.

Ein wichtiger Zusammenhang: Wer den eigenen Körper gut spürt, kann auch andere besser verstehen. Empathie entsteht nicht im Kopf, sondern im Körper. Wir fühlen andere, indem wir unsere eigenen Gefühle wahrnehmen.

Wie Sinn entsteht – und warum er fühlbar ist

Sinn ist kein Gedanke. Sinn ist ein Gefühl. Ein inneres "Ja". Ein "Das stimmt für mich". Ein "Das passt". Unser Inneres sortiert ständig: wichtig oder unwichtig, hingehen oder meiden.

Wenn Körper, Gefühl und Denken miteinander verbunden sind, entsteht eine feine Sinn-Empfindung. Sie zeigt uns, was stimmig ist – was wirklich zu uns gehört und was nicht.

Wenn diese Verbindung fehlt, bleibt Sinn abstrakt. Dann wissen wir vielleicht, was "vernünftig" wäre, aber wir fühlen es nicht. Achtsamkeit verbindet Kopf und Körper – und lässt Sinn empfinden.

Wie Erinnerungen unser Erleben färben

Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist – sondern wie wir sie gelernt haben zu erwarten. Das liegt an unseren Erinnerungen, die in zwei verschiedenen Formen in uns wirken:

Explizite Erinnerungen

Das sind bewusste Erinnerungen: Geschichten, Bilder, Ereignisse, die wir gezielt abrufen können.

Implizite Erinnerungen

Das sind die unsichtbaren Muster, die unser Verhalten prägen – oft ohne, dass wir es merken:

  • Körperempfindungen und automatische Reaktionen

  • Innere Modelle - "So ist die Welt"

  • Emotionale Prägungen - "So reagiere ich immer"

 

Implizite Erinnerungen entstehen früh im Leben und wirken still weiter. Sie fühlen sich nicht wie Erinnerung an – sie fühlen sich an wie "Ich bin eben so".

Achtsamkeit hilft, diese Muster sichtbar zu machen. Wenn wir spüren, was in uns wirkt, können wir neue Entscheidungen treffen. Das ist ein zentraler Weg zu innerer Freiheit – und ein wichtiger Aspekt für unser mentales Immunsystem.

Integration – wenn das Innere zusammenfindet

Wohlbefinden entsteht, wenn verschiedene Teile unseres inneren Erlebens miteinander verbunden sind:

  • Körper und Gefühl

  • Gefühl und Gedanke

  • Vergangenheit und Gegenwart

  • Innenwelt und Außenwelt

 

Integration bedeutet nicht, dass alles harmonisch sein muss. Es bedeutet, dass alles einen Platz haben darf. Dass Unterschiedliches miteinander in Beziehung treten kann.

Ein integriertes inneres System ist flexibel, lebendig, klar und stabil. Achtsamkeit fördert genau diese Qualität – und ist damit eine der wirksamsten Methoden zur Selbstregulation, die uns zur Verfügung steht.

Achtsamkeit als Weg zu einem stimmigeren Leben

Achtsamkeit ist kein Rückzug aus dem Alltag. Sie ist eine Art, im Alltag wirklich präsent zu sein. Sie hilft uns:

  • uns selbst zu spüren – im Körper, in den Gefühlen

  • unsere automatischen Muster zu erkennen

  • freundlicher und mitfühlender mit uns umzugehen

  • wieder Sinn zu empfinden – nicht nur zu denken

  • Beziehungen bewusster und tiefer zu gestalten

  • innerlich freier zu werden

 

Achtsamkeit bringt uns zurück in Kontakt – mit uns selbst, mit anderen und mit dem Leben. Nicht als Ziel, das man erreicht. Sondern als Weg, den man immer wieder neu geht.

Häufige Fragen zu Achtsamkeit (FAQ)

Was genau bedeutet Achtsamkeit?
Achtsamkeit (englisch: Mindfulness) bedeutet, die eigene Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu richten – auf Körperempfindungen, Gedanken und Emotionen – ohne sofortige Bewertung. Sie ist sowohl eine Haltung als auch eine erlernbare Praxis.

​​​​Kann man Achtsamkeit lernen?

Ja. Achtsamkeit entwickelt sich durch regelmäßige Übung. Sie erfordert keine besonderen Voraussetzungen und kann jederzeit in den Alltag integriert werden – ob durch kurze Atemübungen, bewusstes Wahrnehmen beim Gehen - im Grunde bei jeder Tätigkeit.

Wie unterscheidet sich Achtsamkeit von Meditation?

Meditation ist eine Methode, Achtsamkeit zu kultivieren – aber nicht die einzige. Während Meditation meist einen bewusst geschützten Rahmen braucht, ist Achtsamkeit eine Haltung, die unabhängig davon wirkt. Sie braucht keine Matte, keine Stille, keine Auszeit.

Was bewirkt Achtsamkeit im Gehirn?
Regelmäßige Achtsamkeitspraxis verändert die Struktur und Funktion des Gehirns nachweislich (Neuroplastizität). Bereiche, die für Selbstwahrnehmung, Emotionsregulation und Empathie zuständig sind, werden gestärkt.

Ist Achtsamkeit auch bei Erschöpfung und Burnout hilfreich?

Ja – Achtsamkeit ist ein anerkanntes Instrument in der Prävention und Begleitung von Erschöpfungszuständen. Sie hilft, Frühwarnsignale des Körpers wahrzunehmen und die Stressregulation langfristig zu verbessern. Bei einem bestehenden Burnout empfiehlt sich professionelle Begleitung.

Achtsam leben

In meiner Online-Praxis begleite ich Sie dabei, Achtsamkeit nicht als Technik, sondern als lebendige Haltung zu entwickeln – abgestimmt auf Ihre ganz persönliche Situation.

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